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Batterie für den Camper: AGM, Gel oder LiFePO4?

2. Oktober 2026 · 9 Min. Lesezeit

Dein eigener Schaltplan – in vier Fragen

Kostenlos und ohne Anmeldung: Batterie, Solar, Kabel und Sicherungen für deinen Van, berechnet und geprüft. Mit Einkaufsliste.

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Inhalt
  1. Die wichtigsten Kennzahlen
  2. Die Batterietypen
  3. C-Rate in der Praxis
  4. Batteriegröße berechnen
  5. Was kostet es wirklich?
  6. Welche passt zu dir?
  7. Einbau

Die Aufbaubatterie ist das Herz der Camper-Elektrik – und meist das teuerste Einzelteil. Welche Technik passt, hängt davon ab, wie viel Strom du brauchst, wie oft du frei stehst und welche Geräte daran hängen.

Die wichtigsten Kennzahlen

  • Kapazität (Ah): wie viel Ladung die Batterie speichert. Mal Spannung ergibt die Energie in Wh – siehe Volt, Ampere, Ohm und Watt.
  • Nutzbare Kapazität (Entladetiefe): wie viel davon du tatsächlich entnehmen kannst, ohne die Batterie zu schädigen.
  • C-Rate: der Strom im Verhältnis zur Kapazität. 1C bei einer 100-Ah-Batterie sind 100 A, 0,2C sind 20 A. Die C-Rate begrenzt, wie schnell du laden und wie viel du auf einmal entnehmen darfst.
  • Zyklen: wie oft die Batterie voll ge- und entladen werden kann, bis sie spürbar Kapazität verliert.

Die Batterietypen

Nassbatterie (geschlossene Bleibatterie mit flüssiger Säure)

  • Plus: sehr günstig, robust, verträgt Laden bei Frost.
  • Minus: nur etwa 50 % nutzbar, 200–400 Zyklen, gast beim Laden – im Wohnraum nur mit Entlüftung nach außen. Muss gewartet werden.

AGM (Blei-Vlies)

  • Plus: günstig, wartungsfrei, auslaufsicher, verträgt Kälte, kommt ohne Elektronik aus.
  • Minus: etwa 50 % nutzbar, 300–600 Zyklen bei 50 % Entladung. Schwer: rund 28–30 kg pro 100 Ah. Lädt am liebsten mit 0,1–0,2C und braucht lange bis ganz voll. Bei hohen Strömen sinkt die nutzbare Kapazität deutlich (Peukert-Effekt).

Gel

  • Plus: zyklenfester als AGM (500–1000 Zyklen), sehr robust bei Tiefentladung.
  • Minus: ebenfalls schwer und nur etwa 50 % nutzbar, verträgt nur kleine Lade- und Entladeströme (rund 0,2C) und reagiert empfindlich auf zu hohe Ladespannung.

LiFePO4 (Lithium-Eisenphosphat)

  • Plus: 90–100 % nutzbar, 3000–6000 Zyklen, nur rund 12–13 kg pro 100 Ah. Die Spannung bleibt bis fast leer konstant – Geräte laufen bis zum Schluss mit voller Leistung. Lädt schnell, typisch mit 0,5–1C.
  • Minus: teurer in der Anschaffung, braucht ein eingebautes BMS (Batteriemanagement) und ein passendes Ladeprofil. Darf unter 0 °C nicht geladen werden – es sei denn, die Batterie hat eine eingebaute Heizung.
  • Nassbatterie50 % nutzbar600 Wh
  • AGM50 % nutzbar600 Wh
  • Gel50 % nutzbar600 Wh
  • LiFePO490 % nutzbar1.152 Wh
Nutzbare Energie einer 100-Ah-Batterie. LiFePO4 liefert fast doppelt so viel – bei weniger als der Hälfte des Gewichts.
Werte als Tabelle
TypNutzbar (Wh)
Nassbatterie600
AGM600
Gel600
LiFePO41.152
  • LiFePO4
  • AGM
1111,51212,51313,514020406080100Entnommene Kapazität (%)Spannung (V)AGM: hier aufhören (ca. 50 %)AGMLiFePO4
Ruhespannung über die entnommene Kapazität (vereinfacht, je nach Hersteller etwas anders). LiFePO4 hält die Spannung bis fast leer; AGM sinkt stetig – und sollte nur bis etwa 50 % entladen werden.
Werte als Tabelle
EntnommenLiFePO4AGM
0 %13,4 V12,8 V
25 %13,23 V12,5 V
50 %13,13 V12,2 V
75 %13,03 V11,9 V
90 %12,9 V11,72 V
100 %11,5 V11,6 V
  • Nassbatterie300 Zyklen
  • AGM450 Zyklen
  • Gel750 Zyklen
  • LiFePO44.000 Zyklen
Typische Zyklenzahl bis etwa 80 % Restkapazität (Blei bei 50 % Entladung, LiFePO4 bei 80 %). Mittelwerte – Datenblätter schwanken stark.
Werte als Tabelle
TypZyklen
Nassbatterie300
AGM450
Gel750
LiFePO44.000

Lithium-NMC (wie in E-Autos) bietet noch mehr Energie pro Kilo, ist thermisch aber empfindlicher. Im Selbstausbau spielt es kaum eine Rolle.

C-Rate in der Praxis

Die C-Rate entscheidet oft mehr über die Batteriegröße als der Tagesverbrauch:

  • Eine 100-Ah-LiFePO4 mit 100-A-BMS liefert dauerhaft etwa 1C = 100 A. Ein 2000-W-Wechselrichter zieht an 12 V aber rund 185 A – dafür brauchst du mindestens 200 Ah oder ein System mit 24 V.
  • Eine AGM mit 100 Ah sollte dauerhaft nicht mit viel mehr als 0,2–0,3C belastet werden. Für denselben Wechselrichter wären mehrere hundert Ah Blei nötig.
  • Beim Laden gilt dasselbe: Ein 50-A-Ladebooster passt zu einer 100-Ah-LiFePO4 (0,5C), würde eine 100-Ah-AGM aber überfordern.
  • 100 Ah LiFePO41C dauerhaft100 A
  • 200 Ah LiFePO41C dauerhaft200 A
  • 100 Ah AGMca. 0,3C sinnvoll30 A
  • 2000-W-Wechselrichterbraucht an 12 V185 A
Was die Batterie dauerhaft liefern kann – und was ein 2000-W-Wechselrichter an 12 V braucht. Erst ab 200 Ah LiFePO4 passt es.
Werte als Tabelle
Strom (A)
100 Ah LiFePO4 (1C dauerhaft)100
200 Ah LiFePO4 (1C dauerhaft)200
100 Ah AGM (ca. 0,3C sinnvoll)30
2000-W-Wechselrichter (braucht an 12 V)185
Tipp

Schau ins Datenblatt: Hersteller geben den maximalen Dauer-Lade- und Entladestrom an. Diese Werte – nicht die Kapazität – begrenzen, welche Geräte und Ladegeräte du anschließen kannst.

Batteriegröße berechnen

  1. Tagesbedarf in Wh zusammenzählen: Leistung × Stunden pro Gerät.
  2. Mit den autarken Tagen multiplizieren, die du ohne Nachladen überbrücken willst.
  3. Durch Spannung × nutzbaren Anteil teilen.

Beispiel: 600 Wh am Tag, drei Tage ohne Sonne und Fahrt:

  • LiFePO4: 1800 Wh ÷ (12,8 V × 0,9) ≈ 156 Ah → 200 Ah, rund 25 kg.
  • AGM: 1800 Wh ÷ (12 V × 0,5) = 300 Ah → 300 Ah, rund 90 kg.

Schneller geht es mit dem Batterie- und Solarrechner. Solar und Ladebooster verkleinern die nötige Batterie, weil sie tagsüber nachladen – siehe Solarmodul auf dem Camper anschließen.

Was kostet es wirklich?

Rechne die Kosten pro nutzbarer Kilowattstunde über die Lebensdauer: Eine LiFePO4 kostet in der Anschaffung etwa das Zwei- bis Dreifache einer AGM, liefert aber fast die doppelte nutzbare Energie über fünf- bis zehnmal so viele Zyklen. Wer regelmäßig frei steht, fährt mit LiFePO4 fast immer günstiger – und spart dazu Gewicht und Platz.

Welche passt zu dir?

  • Gelegentliche Wochenenden, kleines Budget, Winter ohne Heizung: AGM.
  • Regelmäßig autark, Wechselrichter, wenig Gewicht: LiFePO4.
  • Wintercamping mit LiFePO4: Batterie im beheizten Wohnraum einbauen oder ein Modell mit Heizung wählen.

Einbau

  • Hauptsicherung direkt am Pluspol – siehe Sicherungen im Camper.
  • Fest verzurrt, möglichst im Innenraum und gegen Verrutschen bei einem Unfall gesichert.
  • Ladegeräte, Solarregler und Booster auf den richtigen Batterietyp einstellen.
Tipp

Unser Planer rechnet die Batteriegröße aus deinem Verbrauch, deinen autarken Tagen und dem Wechselrichter aus – und achtet darauf, dass die Batterie den Dauerstrom auch liefern kann.

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