Batterie für den Camper: AGM, Gel oder LiFePO4?
Die Aufbaubatterie ist das Herz der Camper-Elektrik – und meist das teuerste Einzelteil. Welche Technik passt, hängt davon ab, wie viel Strom du brauchst, wie oft du frei stehst und welche Geräte daran hängen.
Die wichtigsten Kennzahlen
- Kapazität (Ah): wie viel Ladung die Batterie speichert. Mal Spannung ergibt die Energie in Wh – siehe Volt, Ampere, Ohm und Watt.
- Nutzbare Kapazität (Entladetiefe): wie viel davon du tatsächlich entnehmen kannst, ohne die Batterie zu schädigen.
- C-Rate: der Strom im Verhältnis zur Kapazität. 1C bei einer 100-Ah-Batterie sind 100 A, 0,2C sind 20 A. Die C-Rate begrenzt, wie schnell du laden und wie viel du auf einmal entnehmen darfst.
- Zyklen: wie oft die Batterie voll ge- und entladen werden kann, bis sie spürbar Kapazität verliert.
Die Batterietypen
Nassbatterie (geschlossene Bleibatterie mit flüssiger Säure)
- Plus: sehr günstig, robust, verträgt Laden bei Frost.
- Minus: nur etwa 50 % nutzbar, 200–400 Zyklen, gast beim Laden – im Wohnraum nur mit Entlüftung nach außen. Muss gewartet werden.
AGM (Blei-Vlies)
- Plus: günstig, wartungsfrei, auslaufsicher, verträgt Kälte, kommt ohne Elektronik aus.
- Minus: etwa 50 % nutzbar, 300–600 Zyklen bei 50 % Entladung. Schwer: rund 28–30 kg pro 100 Ah. Lädt am liebsten mit 0,1–0,2C und braucht lange bis ganz voll. Bei hohen Strömen sinkt die nutzbare Kapazität deutlich (Peukert-Effekt).
Gel
- Plus: zyklenfester als AGM (500–1000 Zyklen), sehr robust bei Tiefentladung.
- Minus: ebenfalls schwer und nur etwa 50 % nutzbar, verträgt nur kleine Lade- und Entladeströme (rund 0,2C) und reagiert empfindlich auf zu hohe Ladespannung.
LiFePO4 (Lithium-Eisenphosphat)
- Plus: 90–100 % nutzbar, 3000–6000 Zyklen, nur rund 12–13 kg pro 100 Ah. Die Spannung bleibt bis fast leer konstant – Geräte laufen bis zum Schluss mit voller Leistung. Lädt schnell, typisch mit 0,5–1C.
- Minus: teurer in der Anschaffung, braucht ein eingebautes BMS (Batteriemanagement) und ein passendes Ladeprofil. Darf unter 0 °C nicht geladen werden – es sei denn, die Batterie hat eine eingebaute Heizung.
Werte als Tabelle
| Typ | Nutzbar (Wh) |
|---|---|
| Nassbatterie | 600 |
| AGM | 600 |
| Gel | 600 |
| LiFePO4 | 1.152 |
- LiFePO4
- AGM
Werte als Tabelle
| Entnommen | LiFePO4 | AGM |
|---|---|---|
| 0 % | 13,4 V | 12,8 V |
| 25 % | 13,23 V | 12,5 V |
| 50 % | 13,13 V | 12,2 V |
| 75 % | 13,03 V | 11,9 V |
| 90 % | 12,9 V | 11,72 V |
| 100 % | 11,5 V | 11,6 V |
Werte als Tabelle
| Typ | Zyklen |
|---|---|
| Nassbatterie | 300 |
| AGM | 450 |
| Gel | 750 |
| LiFePO4 | 4.000 |
Lithium-NMC (wie in E-Autos) bietet noch mehr Energie pro Kilo, ist thermisch aber empfindlicher. Im Selbstausbau spielt es kaum eine Rolle.
C-Rate in der Praxis
Die C-Rate entscheidet oft mehr über die Batteriegröße als der Tagesverbrauch:
- Eine 100-Ah-LiFePO4 mit 100-A-BMS liefert dauerhaft etwa 1C = 100 A. Ein 2000-W-Wechselrichter zieht an 12 V aber rund 185 A – dafür brauchst du mindestens 200 Ah oder ein System mit 24 V.
- Eine AGM mit 100 Ah sollte dauerhaft nicht mit viel mehr als 0,2–0,3C belastet werden. Für denselben Wechselrichter wären mehrere hundert Ah Blei nötig.
- Beim Laden gilt dasselbe: Ein 50-A-Ladebooster passt zu einer 100-Ah-LiFePO4 (0,5C), würde eine 100-Ah-AGM aber überfordern.
Werte als Tabelle
| Strom (A) | |
|---|---|
| 100 Ah LiFePO4 (1C dauerhaft) | 100 |
| 200 Ah LiFePO4 (1C dauerhaft) | 200 |
| 100 Ah AGM (ca. 0,3C sinnvoll) | 30 |
| 2000-W-Wechselrichter (braucht an 12 V) | 185 |
Batteriegröße berechnen
- Tagesbedarf in Wh zusammenzählen: Leistung × Stunden pro Gerät.
- Mit den autarken Tagen multiplizieren, die du ohne Nachladen überbrücken willst.
- Durch Spannung × nutzbaren Anteil teilen.
Beispiel: 600 Wh am Tag, drei Tage ohne Sonne und Fahrt:
- LiFePO4: 1800 Wh ÷ (12,8 V × 0,9) ≈ 156 Ah → 200 Ah, rund 25 kg.
- AGM: 1800 Wh ÷ (12 V × 0,5) = 300 Ah → 300 Ah, rund 90 kg.
Schneller geht es mit dem Batterie- und Solarrechner. Solar und Ladebooster verkleinern die nötige Batterie, weil sie tagsüber nachladen – siehe Solarmodul auf dem Camper anschließen.
Was kostet es wirklich?
Rechne die Kosten pro nutzbarer Kilowattstunde über die Lebensdauer: Eine LiFePO4 kostet in der Anschaffung etwa das Zwei- bis Dreifache einer AGM, liefert aber fast die doppelte nutzbare Energie über fünf- bis zehnmal so viele Zyklen. Wer regelmäßig frei steht, fährt mit LiFePO4 fast immer günstiger – und spart dazu Gewicht und Platz.
Welche passt zu dir?
- Gelegentliche Wochenenden, kleines Budget, Winter ohne Heizung: AGM.
- Regelmäßig autark, Wechselrichter, wenig Gewicht: LiFePO4.
- Wintercamping mit LiFePO4: Batterie im beheizten Wohnraum einbauen oder ein Modell mit Heizung wählen.
Einbau
- Hauptsicherung direkt am Pluspol – siehe Sicherungen im Camper.
- Fest verzurrt, möglichst im Innenraum und gegen Verrutschen bei einem Unfall gesichert.
- Ladegeräte, Solarregler und Booster auf den richtigen Batterietyp einstellen.
Diese Anleitung ersetzt keine Fachkraft und nicht die Anleitungen der Hersteller. Feste 230-V-Installationen gehören in die Hände einer Elektrofachkraft.